Fragen & Antworten für Eltern

Die Schulsozialarbeit sammelt auf dieser Seite häufige Fragen & Antworten für Eltern. Die Fragen sind in drei Rubriken unterteilt:

Allgemeine Fragen und Antworten für Eltern

Frage:
Was macht gute Eltern aus?

Antwort:
Gute Eltern sind diejenigen, welche bereit sind, mit dem Kind zusammen zu wachsen. Jene die von den Kindern lernen und sich weiterentwickeln. Die bereit sind, auf die Rückmeldungen ihrer Kinder einzugehen und ihren Erziehungsstil zu hinterfragen. Das Ziel und Ergebnis der Erziehung sollte  immer die seelische und körperliche Gesundheit des Kindes sein.* Alle Eltern versuchen mit den Mitteln und Möglichkeiten die ihnen gegeben sind, die Kinder so gut wie möglich zu begleiten. Gute Eltern bleiben neugierig, ihr Kind stets neu kennenzulernen.

*Caroline Märki, Elterncoach

Frage:
Wie werden Eltern jedem Kind gerecht?

Antwort:
„Indem sie es nicht gleich, sondern fair behandeln.“ Es ist unmöglich, jedes Kind gleich zu behandeln. Das ist auch gut so, denn jedes Kind braucht etwas anderes. Eltern sollten sich fragen: „Was braucht mein Kind?, und nicht: Was will ich ihm geben?“ *

*Jürg Frick, Psychologe

Frage:
Darf man seinen Kinder sagen, dass man überfodert ist?

Antwort:
Auch Eltern machen Fehler und Kinder wissen das. Eltern dürfen mitteilen, dass sie gerade ratlos sind. Wichtig ist, dass sich Eltern Hilfe holen, wenn die Ratlosigkeit in Hilflosigkeit umschlägt. Ein hilfreicher Satz könnte sein: „Wir werden einen Weg finden, auch wenn ich gerade nicht weiss, wie.“ *

*Michael Schulte-Markwort, Kinder- und Jugendpsychiater

Frage:
Wie reagiere ich am besten darauf, wenn mich meine Kinder mit ihrem Verhalten herausfordern?

Antwort:
In erster Linie geht es darum, dass die Situation nicht ausartet. Wenn also die Gefühle hochkochen, muss man in erster Linie sich selber zurückhalten und gegen den ersten Impuls den man hat, ankämpfen. Das Problem kann in einem ruhigeren Moment wieder angesprochen werden. Damit vermitteln wir dem Kind: „Ich bin damit nicht einverstanden und ich komme auf die Angelegenheit zurück.“ „Das ist die elterliche Autorität, (…). Kontrollieren können wir nur uns selbst und unserer Handlungen als Eltern, niemals aber unsere Kinder.“ *

*Haim Omer, Familientherapeut

Frage:
Wie sagen Eltern ihrem Kind, dass es gerade total nervt?

Antwort:
Indem sie sein Verhalten kritisieren und nicht seine Persönlichkeit. Wenn ein Kind zigmal dasselbe Fragt, sagt man am besten: „Es nervt mich, dass du mich das zum x-ten Mal fragst.“ Also hilfreich sind Sätze aus der Ich- Perspektive: „Es geht für mich nicht, dass…“ oder „Ich möchte nicht, dass du…“ *

*Allan Guggenbühl, Psychotherapeut und Gewaltexperte

Frage:
Mein pubertierendes Kind hat eine grosse Krise. Was kann ich tun?

Antwort:
Sie kennen ihr Kind am besten. Wenn sie das Gefühl haben, etwas stimmt nicht, sprechen sie es beim an. Sprechen sie offen über ihr ungutes Gefühl. Ein offenes Gespräch klärt schnell, ob sie beruhigt sein können oder ob sie Etwas unternehmen müssen. Eine Pubertät ohne Krise gibt es nicht. Wenn sie alleine nicht weiterkommen, können sie sich Hilfe holen.*
Bei der Schulsozialarbeit, im Zentrum für Entwicklung und Therapie, beim Psychiatriezentrum Oberwallis oder bei Pro Juventute.

*Susanne Walitza, Kinder- und Jugendpsychiaterin

Frage:
Wie stark müssen Eltern ihren Kindern Grenzen setzten?

Antwort:
Das ist eine sehr persönliche Frage. Alle Eltern sollten diese Frage für sich beantworten dürfen. Was klar nicht toleriert wird, sind alle Verhaltensweisen, welche die Kinder in ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung stören. Wichtig dabei ist, sich selbst und sein Handeln kritisch zu hinterfragen und eine klare Linie zu finden. Wo sind meine persönlichen Grenzen? Welche Verhaltensweisen und Umgangsformen sind mir sehr wichtig? Welche Meinung vertritt mein Partner, meine Partnerin? Was will ich auf keinen Fall? Willkür hat in der Erziehung keinen Platz. Der dänische Pädagoge Jesper Juul verwendete in diesem Zusammenhang den Begriff der Gleichwürdigkeit. Damit sagt er, dass dem Kind die gleiche Würde zusteht, wie den Eltern auch.

Frage:
Wie können wir gelassener werden?

Antwort:
„In dem sie sich so annehmen, wie sie sind, mit allen Ecken und Kanten.“ (S.19). Solange Eltern zu ihren Fehlern stehen könne, schaden diese ihren Kindern nicht. Personen mit einem gesunden Selbstwertgefühl fällt es leichter, mit Fehlern umzugehen. Unsere Gesellschaft ist jedoch darauf ausgerichtet, dass Fehler unerwünscht sind und sie trägt nicht besonders Sorge zum Selbstwertgefühl der Einzelnen. *

*Caroline Märki, Elterncoach

Frage:
Wie erziehe ich mein Kind zu einem rücksichtsvollen und empathischen Menschen?

Antwort:
In dem sie ein Vorbild für das erwünschte Verhalten sind. Kinder beobachten ihre Eltern und Mitmenschen sehr genau und kopieren das Gesehene. Leben sie ihrem Kind vor, was sie von ihm erwarten. *

*Philipp Ramming, Kinder- und Jugendpsychologe

Erziehungstipps zur aktuellen Situation

Frage:
Wie spricht man mit seinem Kind über die aktuelle Situation auf der Welt?

Antwort:
Kinder sind sehr aufmerksam und bekommen das aktuelle Weltgeschehen durch diverse Medien mit. Für jüngere Kinder können diese Informationen schwer zu verdauen sein und jedes Kind geht anders mit seinen Gefühlen um. Wichtig ist, dass sie offen bleiben, was das Kind beschäftigt. Hören sie zu, fragen sie nach, seien sie da für ihr Kind. Nehmen sie die Ängste und Sorgen ernst. Versuchen sie nicht das Ganze herunter zu spielen. Das führt dazu, dass sich ihr Kind nicht ernstgenommen fühlt. Falls sich der Gemütszustand ihres Kindes verändert, nehmen sie Kontakt mit Fachpersonen auf. *

*Sarah Zanoni, Psychologin

Frage:
Wie begleiten Eltern ihr Kind bestmöglich durch schwierige Zeiten?

Antwort:
Es ist wichtig, dass das Kind hört und vor allem spürt, dass seine Eltern es lieben und mit ihm durch Dick und Dünn gehen.*
Das die Eltern das Kind unterstützen und tragen und nicht umgekehrt. Es gibt immer Situationen in denen die Eltern schlicht nicht mehr wissen, woher sie die Kraft nehmen sollen, um ihr Kind zu begleiten. Eltern in diesen Situationen sollen wissen, dass es immer irgendwo ein Hilfsangebot gibt, welches sie unterstützen kann. Überlegen sie in guten Zeiten, an wen sie sich in schwierigen Zeiten wenden könnten.

*Sarah Zanoni, Psychologin

Frage:
Unsere Kinder streiten sehr oft. Wann sollen wir Eltern einschreiten?

Antwort:
Geschwister streiten ca. alle 20 Minuten. Eltern sollten dort einschreiten, wo eines der Kinder deutlich stärker ist als das andere oder wo sie sich körperlich oder seelisch verletzen. Dabei ist wichtig den Streit zu beenden, ohne selber Gewalt anzuwenden. Kinder lernen beim Streiten viele wertvolle Sachen. Sie lernen, das was ihnen wichtig ist zu erkennen und sich dafür einzusetzen. Sie lernen auch mit Frust umzugehen und für Probleme Lösungen zu finden. *

*Sarah Zanoni, Psychologin

Frage:
Wie kann der Tag mit Homeschooling- und office gelingend gestaltet werden?

Antwort:
Alle Familien mit Schulkindern erleben zurzeit das Gleiche: Der gewohnte Alltag zählt nicht mehr. Die Tagesstruktur hat sich grundlegen geändert. In solchen Zeiten ist es wichtig, den Tag bewusst zu strukturieren. Überlegen sie gemeinsam, wie sie den Tag einteilen wollen. Wann beginnen die einzelnen Familienmitglieder mit der Arbeit oder den Aufgaben für die Schule? Wann ist aber auch Schluss? Was für Ideen gibt es, für die Freizeit? Und wie beenden wir den Tag?

Frage:
Ab wann können Eltern ihren Kindern zumuten, alleine zu Hause zu bleiben?

Antwort:
Dies ist von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Es hängt von der Dauer und der Tageszeit ab.*
Kinder ab 10 Jahren können während dem Tag für eine überschaubare Zeitspanne von 1-2 Stunden allein gelassen werden. Wenn ein älteres Geschwister zu Hause ist, kann dies auch schon früher vorkommen. Wichtig ist, dass die Kinder jederzeit jemanden aus ihrem engeren Umfeld kontaktieren können und eine Betreuungsperson schnell zur Stelle sein kann. Um sicher zu gehen, dass es ihrem Kind gut geht, suchen sie jemanden, der auf ihr Kind aufpassen kann. Zurzeit sind viele Studenten und Studentinnen verfügbar.

*Sarah Zanoni, Psychologin

Frage:
Wie schaffen es Eltern, in der momentanen Situation noch Paar zu bleiben?

Antwort:
Unsere Bewegungsfreiheit wurde extrem eingeschränkt. Schul-, Familien- und Arbeitsalltag finden plötzlich in denselben Räumen statt. Sorgen und Ängste rund um die ungewohnte und herausfordernde Situation nagen an unseren Nerven. Meinungsverschiedenheiten sind vorprogrammiert und führen öfter als sonst zu dicker Luft in der Paarbeziehung. Nun gilt es kleine Inseln und Freiräume zu schaffen. Wichtig ist, dass man sich mit kleinen Momenten der Zweisamkeit begnügt. Ungestört einen Kaffee, Tee, ein Glas Bier/Wein geniessen, ein kurzes Gespräch vor dem ins Bett gehen, Siestazeit für die Kinder einplanen, einander das Highlight des Tages erzählen, etc. Es braucht nicht viel, aber es braucht Etwas. Viel Spass beim Experimentieren!

Frage:
Wie sinnvoll sind Ämtli?

Antwort:
Mit den Kindern zusammen die Hausarbeit zu erledigen braucht länger und nicht alles wird so perfekt, wie wenn man es selber machen würde. Doch es lohnt sich. Die Kinder lernen, wie viel Arbeit so ein Haushalt eigentlich macht. Durch die Mithilfe schätzen sie auch die Bemühungen der Eltern mehr. Wie kann man die Kinder jedoch zur Mithilfe motivieren? Bei den Kleineren hilft es, wenn man einen Wettbewerb oder ein Rollenspiel daraus macht.*
Die Grösseren kann man zwischen zwei Aufgaben auslesen lassen. Wenn man davon eine besonders unattraktiv gestaltet, wird die andere Aufgabe umso lieber ausgeführt. Spezielle Belohnungen braucht es nicht, denn die Mithilfe im Haushalt sollte irgendwann selbstverständlich sein. Doch ein dankendes Wort zeigt den Kindern, wie sehr man ihre Mithilfe schätzt.

*Sarah Zanoni, Psychologin

Tod und Trauer *

*Susanne Lorenz, Sozialpädagogin

Frage:
Wie sollen Eltern die schwere Krankheit einer Bekannten thematisieren?

Antwort:
Indem sie offen und ehrlich sind. Benennen sie das ohnehin Offensichtliche und beantworten sie Fragen altersgerecht. Das Kind auf das Schlimmste vorzubereiten, ist unnötig. Nur das Hier und Jetzt ist wichtig.

Frage:
Wie spreche ich mit meinen Kinder über die eigene Trauer, ohne sie zu ängstigen?

Antwort:
Kinder haben ganz feine „Antennen“, wenn es um die Gefühle ihrer Eltern geht. Auch wenn man die Trauer nicht anspricht, merken die Kinder, dass da etwas nicht stimmt. Oft ziehen Kinder falsche Schlüsse und denken, sie seien für die Gefühle der Eltern verantwortlich, in etwa: „Papa ist traurig, weil ich böse war.“ Zudem lernt es, dass man gewisse Gefühle wohl besser nicht zeigt. Eltern sollten über ihre Gefühle sprechen und diese den Kindern altersgerecht erklären. Die Kinder lernen so, dass Trauer nach einem Verlust ein normales Gefühl ist.

Frage:
Wie rede ich mit meinem Kind über den Tod?

Antwort:
Kinder sollten mit ihren Eltern über alles sprechen können. Wenn sich die Möglichkeit bietet über den Tod zu sprechen, sollten Eltern das tun. Alle Fragen sollten ehrlich und altersgemäss beantwortet werden. Es ist ok, wenn Eltern dem Kind gegenüber eingestehen, dass auch sie nicht alles über den Tod wissen. Umschreibungen wie: „Oma ist für immer eingeschlafen“, oder „sie wacht nicht mehr auf“, können Ängste und Unsicherheiten auslösen bei Kindern. Fragen sie nach, wie das Kind sich selbst den Tod vorstellt. Bei Kindern bis sieben Jahre kann man nicht davon ausgehen, dass sie die Endgültigkeit des Todes begreifen. Kinder bis elf Jahre gehend das Thema Tod eher naturwissenschaftlich an. Wenn sie dem Kind vermitteln können, dass man über alles sprechen kann, auch ohne auf alles eine Antwort zu haben, dann haben sie viel gewonnen. Sprechen sie darüber, dass alles Lebendige irgendwann stirbt, aber niemand den genauen Zeitpunkt kennt.

Frage:
Wie steht man einer Familie bei, die ein Kind verloren hat?

Antwort:
„Der Tod eines Kindes ist für eine Familie die grösstmögliche Katastrophe.“ Meist ist das Dasein füreinander und den Schmerz gemeinsam auszuhalten das Einzige, was man tun kann. Alltägliche Tätigkeiten wie Lebensmittel einkaufen, könne zu einer Herausforderung werden. Kaufen sie für die Familie ein, stellen sie einen Kuchen vor die Türe oder kochen sie ein Gericht vor. Konkrete Angebote machen sind besser, als die Familie auffordern sich zu melden, wenn sie etwas brauchen. Reagieren sie trauernden Menschen gegenüber achtsam und geduldig. Jeder Mensch trauert anders. Scheuen sie sich nicht über das verstorbene Kind zu sprechen. Erzählen sie von gemeinsamen Erinnerungen, schicken sie Fotos, erhalten sie die Erinnerungen. Wenn Tränen fliessen, ist das nicht schlimm. Totschweigen ist schlimmer.

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